Wir verkünden alle übereinstimmend, dass Gott Christus von den Toten auferweckt hat. Wie können da einige von euch behaupten: »Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht!«? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann kann ja auch Christus nicht auferstanden sein. Wäre aber Christus nicht auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn, und euer Glaube wäre nichts wert. Wenn aber Christus nicht von den Toten auferweckt wurde, ist euer Glaube nichts als Selbstbetrug, und ihr seid auch von eurer Schuld nicht frei. Ebenso wären auch alle verloren, die im Glauben an Christus gestorben sind. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, dann sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen. Tatsächlich aber ist Christus als Erster von den Toten auferstanden. So können wir sicher sein, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden. Der Tod ist durch die Schuld eines einzigen Menschen in die Welt gekommen. Ebenso kommt auch durch einen Einzigen die Auferstehung. Wir alle müssen sterben, weil wir Nachkommen von Adam sind. Ebenso werden wir alle zu neuem Leben auferweckt, weil wir mit Christus verbunden sind. Die Auferstehung geht in einer bestimmten Reihenfolge vor sich: Als Erster ist Christus auferstanden. Wenn er kommt, werden alle auferstehen, die zu ihm gehören. Danach kommt das Ende: Christus wird alles vernichten, was Gewalt und Macht für sich beansprucht, und wird Gott, seinem Vater, die Herrschaft über diese Welt übergeben. (1. Kor 15, 12-24)
Liebe Schwestern und Brüder,
es war an einem Samstag. Also: letzten Samstag. Oder vorletzten? Oder ein ganz anderer? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls: Die Luft roch nach Frühling und nach Tränen. Nach feuchtem Gras und Erde.
An einem solchen Samstag hatte der Teufel die Tür zur Hölle angelehnt gelassen, damit die armen Seelen den Frühling riechen sollten und es ihnen in ihrem ewigen Winter noch ein bisschen schlechter ginge. Der Teufel fühlte sich sehr sicher. Er zündete sich eine Zigarette am Fegefeuer an und rief: Hades, gleich kommt Nachschub! Genau über der Hölle waren nämlich wieder 3 gekreuzigt worden. Wir haben eben viele Filialen, pflegte der Teufel zu sagen. Outsourcing nennt man das. Hades nickte. Obwohl er es nicht so hatte mit den englischen Begriffen.
Jedenfalls: die Tür war angelehnt an diesem Samstag. Und plötzlich stand einer mitten in der Hölle. Ein Mensch mit einem zerschundenen Körper wie viele hier. Ein Mensch mit einem Leuchten um sich wie keiner sonst. Und er sagte: Friede sei mit euch.
Der Teufel antwortete: Mach die Tür zu. Es zieht.
Und Hades: Hier ist das Anmeldeformular. Bitte Geburtsort und Namen eintragen.
Der Mensch sagte: Welchen jetzt?
Und Hades: Na, du wirst doch irgendwie heißen.
Und der Mensch: Ich bin der Weg.
Und Hades: Bitte keine Künstlernamen.
Und der Mensch: Und ich bin die Wahrheit.
Hades: So was haben wir hier nicht.
Der Mensch: Und das Leben.
Hades: Na, das werden wir dann sehen.
Und der Teufel: Es zieht!
Und Hades: Dann mach die Tür zu!
Und der Teufel: Mach du sie doch zu!
Und Hades: Ich bin hier grad bei den Formularen. Um die du dich ja nie kümmerst.
Und der Teufel: Weil ich mich um alles andere kümmere.
Und so ging es dahin. Hades und der Teufel sagten sich, was sie sich jedes Mal sagten. Und plötzlich ging es um etwas von vor 70 Jahren. Und von vor 700 Jahren. Und das alles wäre eindeutig ein Fall für eine Paartherapie gewesen, für achtsames Zuhören, gewaltfreie Kommunikation und Sorge fürs innere Kind – aber damit hatten der Teufel und Hades natürlich keinerlei Erfahrung.
So stritten sie weiter und vergaßen ganz den leuchtenden Fremden mit den eigenartigen Namen. Sie wurden lauter und lauter. So laut, dass sie das Knacken nicht hörten.
Aber vielleicht hört ihr es gerade.
Jetzt. Wenn ihr ganz leise seid.
Knack. Krck. Kkkkkkkrkk.
Der Fremde war zu all den Verliesen gegangen, in denen die armen Seelen saßen. Er hatte seine dreckige, blutverkrustete Hand mit dem Loch am Gelenk auf die Vorhängeschlösser gelegt. Auf die Ketten. Die Knoten. Die Stricke.
Knack. Krck. Kkkkkkkrkk.
Überall, wo er seine Hand hinlegte, sprangen die Schlösser auf und die Ketten entzwei. Die Knoten lösten sich. Die Stricke zerfielen zu Staub.
Knack. Krck. Kkkkkkkrkk.
All die eisernen Bänder um all die Herzen. All die Schweigeschlösser vor den Mündern. All die festgefahrenen gespielten Rollen. Die Verliese aus Angst und Gewalt.
Knack. Krck. Kkkkkkkrkk.
Und dann: ein großes Seufzen. Ein Atmen und Aufatmen. Wie Frühlingswind und wie der Geruch nach nassem Gras und Erde. Und wie wenn jemand sagt: Ich liebe dich. Und: Alles wird gut.
All die armen Seelen reckten und streckten sich. Sie schauten einander an. Sie lächelten.
Der leuchtende Fremde legte den Finger auf den Mund und zwinkerte ihnen zu.
Dann drehte er sich um zum Teufel und zu Hades, die mittlerweile bei ihrem Streit bei irgendetwas mit den Dinosauriern angelangt waren.
Der Teufel: Um deren Ausrottung hab ich mich auch noch kümmern müssen!
Hades: Also das mit dem Komet war aber bitte ich!
Und hinter dem Rücken des leuchtenden Fremden gingen leise leise all die armen Seelen Richtung Tür. Eva ganz vorn. Dann Adam und viele viele alle alle.
Sie stießen die angelehnte Tür auf und strömten hinaus ins Freie. In die Sonne und den Frühling.
Jetzt zieht es ja noch mehr! Sagte der Teufel plötzlich.
Und da erst merkten Hades und er, was passiert war.
Sie schrien auf, aber es war zu spät.
Alle waren längst draußen.
Nur der leuchtende Fremde streckte noch einmal den Kopf durch den Türspalt und sagte:
Sorry, ihr beiden. Aber seht es positiv: jetzt habt ihr Zeit für euch!
Dann warf er mit Schwung von außen die Höllentür zu.
Dran ein Schild: Dauerhaft geschlossen.
- Jan Freiwald, 5.4.26
